Mittwoch, 12. April 2017

Sneakpeek auf "Nebelsucher"

Hallo.
Heute habe ich anlässlich der anstehenden Ostertage eine kleine Vorschau (modern gesprochen auch "Sneakpeek") für euch.
Nachfolgend findet ihr die erste Version des angedachten Prologs zu meiner im Juni erscheinenden Geschichte "Nebelsucher". Es ist nicht viel und verrät noch weniger, aber dennoch möchte ich euch das nicht vorenthalten. Viel Vergnügen.
Prolog
Tagebuch
Letzter Eintrag.
Ich bleibe keine Sekunde länger hier. Das kann nicht so bleiben. Bin ich wahnsinnig? Ich muss raus hier. Raus! Habe ich nicht alles versucht? Ich habe dieses Schicksal nicht verdient.
Etwas in meinem Inneren sagt: „Das kann nicht das Ende sein.“ Ich will nicht, dass es das Ende ist. Deshalb kehre ich nicht zurück. Ich werde einen Weg finden. Fort von hier. Einfach weg. Alles ist ein Albtraum. Das ist nicht der Tod. Die alte Frau hat es mir erzählt ... Die alte Frau im Nebel. Sie ist die einzige, der ich trauen kann. Die anderen, die Schatten und Monster, die Schemen in der Dunkelheit, die immer näher gekrochen kommen, die haben nur ein Ziel. Sie kommen jede Nacht näher heran. Wenn man genau aufpasst, kann man sie zähnefletschend und mit den Kiefern mahlend in der Dunkelheit hören, knurrend und geifernd. Ich bin längst sicher: Bald werden sie da sein, um mich zu fressen. Sie kommen, um mich zu verschlingen! Jeden Hinweis auf mich und mein Dasein vom Antlitz dieser menschenleeren Erde tilgen, das ist der einfache Plan.
Aber so einfach werde ich es ihnen nicht machen! Ich werde nicht bleiben, um auf das böse Ende zu warten ... Ich … ich werde es finden … und dann … mit ihm … mit ihm werde ich … Ach, egal! … Das ist das einzige Ziel, das mir noch bleibt … meine einzige Chance auf etwas … etwas … ein Gefühl … ja, ein Gefühl, das ich hier vergessen habe. Alles, was davon übrig ist, ist der feine Schatten einer verblassenden Hoffnung. Aber worauf?
Ich weiß nicht mehr...
Versteht mich doch bitte! Dies ist die Hölle und die Hölle lässt die Dinge verschwinden, radiert sie aus dem Bewusstsein, damit am Ende, wenn die Monster zum Festmahl kommen, nichts als eine willenlose Hülle übrig ist...
„Noch ist es nicht soweit. Noch nicht!“... Ich mag zwar tot sein und auch dem Wahnsinn verfallen, denn ich klammere mich womöglich an Strohalmen fest, die giftige Schlangen kurz vor dem Zubeißen sind, aber aufgeben werde ich nicht. Niemals! Kämpfen werde ich. Kämpfen für mich und für jemanden … jemanden, dessen Namen ich bereits vergessen habe. Ich kann mich einfach nicht mehr erinnern. Doch darauf kommt es nicht an …
Ein Funken … ein einzelner blitzender Lichtpunkt in der Dunkelheit … Wunderschön …Doch es bleibt nicht lange. Schon ist es wieder fort. Alles Gute wird ausgelöscht. Getilgt, bis nichts mehr bleibt. Nichts …
Ich bleibe hier nicht … Nein … Sollen sie kommen, aber ich werde dann fort sein. Gegangen an einen besseren Ort. Alles ist besser als die Hölle. Meine Hölle … eine grausame, neblige Einöde voller Monster im Schatten.

Kapitel 1
Eine Begrüßung

Hallo. Stellen Sie sich doch bitte einmal vor, Sie säßen auf einem Stuhl in einem ansonsten leeren Raum. Die Wände sind karg und weiß - oder grau, ganz wie sie wollen. Es gibt nichts. Nichts, das ihr Interesse wecken könnte. Und so sitzen Sie dort und beschäftigen Sie sich mit einer einzigen Frage.
Wie sieht meine persönliche Hölle aus?
Wie wäre ihre Antwort? Was kommt Ihnen beim Grübeln über das ewigwährende Fegefeuer in den Sinn? Oder wissen Sie es vielleicht sogar?
Hätten Sie mich vor einiger Zeit danach gefragt, ich hätte mir mit dem Zeigefinger an den Kopf getippt und Sie für unzurechnungsfähig erklärt. Ganz einfach, weil ich es mir kaum hätte vorstellen können. Und wenn es Ihnen ähnlich geht, ist das gar nicht schlimm. Auch ich habe mir diese Frage zuvor nie gestellt. Weshalb auch? Wenn man es rational betrachtet, ist es eine dumme Frage. Eine Frage, die impliziert, dass man an Gott, den Teufel, Himmel und Hölle und den ganzen übernatürlichen Quatsch mit dem Leben nach dem Tod glaubt. Als überzeugter Ungläubiger habe ich in meinem Leben nie eine Sekunde damit verschwendet. Für mich war immer klar: Wenn man stirbt, ist es vorbei. Das war meine Überzeugung. Es ist ein ewiges Mantra, das immer wieder klar macht, dass ein Leben nach dem Leben rein logisch ausgeschlossen ist. Ich finde, man kann gut damit leben. Man kann diese schwerwiegende Frage sodann zu den Akten heften und sich einfach auf anderes konzentrieren. Und wenn es dann an der Zeit ist, den Löffel abzugeben, dann tut man es halt, um für immer vom Antlitz der Welt zu verschwinden. Ein Name auf einem Grabstein und ein paar Erinnerungen werden bleiben, ein wenig die Zeit überdauern und das war’s.
Wenn ich in dieser Sekunde daran denke, wünschte ich, ich würde Ihnen nachfolgend nicht erzählen, was mich davon abgebracht hat, diese herrlich einfache Denke beizubehalten. Denn ich mag sie, weil sie keinen Spielraum für Fantastereien und dergleichen lässt. Leider ist sie schlichtweg falsch. Das Ende ist nicht das Ende. Es ist nur das Vorspiel für Schlimmeres. Schlimmer, als sie es sich jemals ausmalen könnten…
»Der Mann ist verrückt«, höre ich schon einige rufen und auch das mag in gewisser Weise stimmen. Nach allem, was mir widerfahren ist, bin ich nicht sicher, ob in meinem Oberstübchen tatsächlich noch jede Tasse richtig im Schrank steht. Darum jedoch geht es nicht … Es geht um … Es … Ich merke, ich schweife ab. Also zurück zum eigentlichen Thema.
Ich bat Sie gerade eben darum, sich vorzustellen, wie Ihre eigene Hölle aussieht. Haben Sie mittlerweile ein Bild davon? Ja? Gut. Und wenn nicht, ist das nicht schlimm. Denn ich werde Ihnen jetzt erzählen, wie meine persönliche Hölle aussieht. Nicht etwa, weil ich mir das so vorstelle, sondern, weil ich weiß, dass sie so ist, wie ich sie schildern werde. Woher ich das weiß? Woher ich … Woher?! Verzeihen Sie mir, dass ich lachen muss. Bitter und mit zusammengepressten Lippen, aber doch lache ich. Hören Sie gut hin. »Hahaha!«
Die Antwort auf diese Frage ist so simpel, dass ich sie Ihnen entgegenspucken möchte.
»Ich war dort!«, lautet sie. Ich war tot … und vielleicht bin ich das teilweise noch immer. Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht genau. Weshalb ich hoffe, dass die folgende Erzählung auch mir dabei helfen wird, festzustellen, ob ich vollends den Verstand verloren habe. Wollen Sie also so freundlich sein, mich zu begleiten? Ja? Ich würde mich freuen, wenn wir es gemeinsam herausfinden.
Robert Bauer



So, das wäre es fürs Erste. Ich hoffe, ihr seid schon gespannt auf den Rest der Geschichte. Ich bin es jedenfalls, denn sie ist noch nicht fertig :-D

Liebe Grüße
und bis die Tage
Christian

Montag, 12. September 2016

"Aufgabe 13 - Töte sie alle!" erscheint am 13. September

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

nach meinem Ausflug in das Genre des Alltags- und Coming-of-age-Romans mit meiner Geschichte "Das hundsgewöhnliche Leben" kehre ich mit "Aufgabe 13" zurück in die Sphären des Thriller und Horrors.
Die Geschichte hat einige Zeit gebraucht, ehe sie geschrieben war, umso erfreuter bin ich, dass es nun endlich soweit ist. Bereits morgen erscheint der Thriller bei Amazon in der E-Book-Version. Und in einigen Tagen hoffentlich auch in der Printversion als Paperback.





Worum geht es in dem Buch?
Rund heraus gesagt darum:

Als der von Panikattacken und Halluzinationen geplagte Büroangestellte Edward Hauser auf den Landsitz seines Chefs Donald Tuckstetter eingeladen wird, ahnt er zunächst nicht, was ihn erwartet. Auf dem in einem abgelegenen Tal der Rocky Mountains liegenden Anwesen eröffnet man ihm und zwölf anderen exklusiv geladenen Gästen schließlich, dass aufgrund von Tuckstetters schwerer Krebserkrankung ein Nachfolger für diesen gefunden werden soll. Hierfür hat sich der Gastgeber ein perfides Spiel ausgedacht, das jeden seiner Gäste mit einer geheimen Aufgabe bedenkt.
Ed will davon nichts wissen. Er hat kein Interesse an Geld und Macht. Statt um Tuckstetters Erbe zu konkurrieren, will er bereits am nächsten Tag wieder abreisen. Doch nachdem ein nächtlicher Schneesturm sie allesamt festsetzt und beim gemeinsamen Frühstück die Leiche eines Gastes entdeckt wird, bleibt ihm keine andere Wahl mehr. Denn eines steht danach schnell fest: Spielt er nicht mit, wird er sterben.
Töten oder getötet werden, scheint bald das oberste Ziel zu sein. Ein Ziel, das vollkommen normale Menschen zu grausamen Taten treibt.
Wird Edward dieses Spiel auf Leben und Tod überstehen? Und soll überhaupt jemand von ihnen mit dem Leben davonkommen?


Was kostet es?

Der Vorbestellerpreis sowie der Preis für die ersten Wochen der Veröffentlichung werden bei jeweils 0,99 € liegen. Danach wird der Preis auf 2,99 € bzw. 3,99 € angehoben. Zeitiges Kaufen lohnt sich also durchaus, wenn man ein paar Euro sparen möchte. Da der Vollpreis allerdings in etwa dem entspricht, was durchschnittlich ein Döner oder eine Bratwurst mit Pommes kosteten, ist das gleichermaßen nicht wirklich teuer. Verlags-E-Books kosten teilweise das Dreifache oder gar Vierfache.

Lohnt es sich?

Ich hoffe es sehr. Die Geschichte umfasst rund 400 Seiten und in jeder steckt eine Menge Arbeit. Ich denke, dass ich trotz einiger Schwierigkeiten im Entstehungsprozess eine lesenswerte, spannende, manchmal brutale Geschichte geschrieben habe, die es zu lesen lohnt. Am Ende müsst ihr das natürlich selbst entscheiden. Als Entscheidungshilfe bietet sich in jedem Fall die Leseprobe bei Amazon an, um einen Eindruck zu gewinnen.


Wo kann ich das Buch kaufen?


Derzeit exklusiv bei Amazon, und zwar unter folgendem Link:
https://www.amazon.de/Aufgabe-13-T%C3%B6te-sie-alle-ebook/dp/B01K7JOXGU


Gibt es wieder ein Gewinnspiel?


Ein Gewinnspiel ist diesmal nicht geplant. Aufgrund einiger "rechtlicher" Unsicherheiten, die die letzten Male entstanden sind, ist eine Verlosung oder dergleichen bisher nicht geplant.
Nichtsdestotrotz bin ich von jeder geäußerten Meinung, direkt oder noch besser via Rezension, vollauf angetan und danke recht herzlich, wenn ich euer Feedback bekomme. Das hilft mir, weiter an meinen Geschichten und meinem Schreibstil zu arbeiten. Also, wenn ihr nach dem Lesen die Zeit erübrigen könnt, schreibt mir eine E-Mail oder eine Rezension auf Amazon oder gerne beides.


Was ist bei weiteren Fragen?

Am besten einfach fragen, per E-Mail, Facebook, Twitter oder allen anderen möglichen Kanälen der Kontaktaufnahme. Ich antworte gewöhnlich binnen kurzer Zeit finde es toll, mit meinen Leserinnen und Lesern direkt zu kommunizieren.



Was sonst noch?

Mir fällt derzeit nichts ein. Wenn ihr noch etwas habt, siehe letzte Antwort.

Bis dahin schöne Grüße aus dem Rheinland und bis die Tage


Christian Biesenbach


Mittwoch, 24. Februar 2016

Verlosung zu "Das hundsgewöhnliche Leben"

Hallo. Da ich "Das hundsgewöhnliche Leben" nunmehr einem ordentlichen Frühjahrsputz unterzogen und die Geschichte in ein neues Cover gekleidet habe, gibt es zur Feier der gerade eben erfolgten Neuveröffentlichung eine Verlosung zu dem E-Book. Wie das Mitmachen und Gewinnen funktioniert, erfahrt ihr weiter unten. :-)


Neues Cover, neues Glück? Einfach klicken, um es herauszufinden.

Was würdest du tun, wenn du vor den Scherben deines Lebens stündest?


"Ein außergewöhnliches Buch über Sinnkrise, Liebeskummer, Absturz, Wachrütteln ... in herrlich erfrischender Schreibe." Lesestunde_mit_Marie



Inhalt

Freundin weg. Im Studium gescheitert. Die Schulden wachsen unaufhaltsam. Sein Leben: ein Scherbenhaufen.
Als Thomas eines Morgens zusammenbricht, weiß er einfach nicht mehr weiter. Perspektive? Fehlanzeige. Einen Plan? Hat er genauso nicht. Doch dann sorgt sein Bruder Mike dafür, dass er eine Reise auf einem Containerschiff von Rotterdam nach Mexiko antritt.
Und ehe sich Tom versieht, wird er in ein unerwartetes Abenteuer katapultiert.
Unter anderem trifft er dabei auf Tina, Studentin, Globetrotterin, Single, die es schafft, ihn aus der Vergangenheit zu reißen und ihn daran erinnert, was im Leben wirklich zählt. Die sich anbahnende Romanze wird allerdings bald schon gestört und Thomas' neu gewonnener Lebensmut auf eine schwere Probe gestellt. Denn das Schiff steuert geradewegs in einen lebensbedrohlichen Sturm hinein.

Frühlingsedition
Inklusive drei bislang unveröffentlichten Kurzgeschichten und Gewinnspiel/Verlosung.
Enthalten sind neben der Hauptgeschichte die Kurzgeschichten:
"Im Nebel", "Im Wasser ohne Worte" und "Clown,Clown".


Die Verlosung:

Mit der Veröffentlichung von "Das hundsgewöhnliche Leben" (http://www.amazon.de/gp/product/B01BWNE4KA)
geht eine Verlosung einher.
Teilnehmen kann jeder, der nach dem Lesen eine Rezension auf Amazon.de zu dem E-Book veröffentlicht. Sobald das geschehen ist und mir mittgeteilt wurde, welche Rezension ihr geschrieben habt, wandert euer Name in den Lostopf.

Am 1.Juli 2016 findet dann die erste Ziehung statt.

Zu gewinnen gibt es unter anderem ein Kindle-Tablet oder einen Kindle E-Bookreader, außerdem einige Gutscheine für Amazon oder einen Onlineshop eurer ...Wahl im Wert von 50, 30 und 20 €.
Wie eure Bewertung zu der Geschichte ausfällt, hat keinen Einfluss auf die Gewinnchancen. Ihr seid so oder so mit im Lostopf und könnt gewinnen.

Für die Verlosung/Auslobung gelten die gültigen Regeln. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Und ich behalte mir natürlich das Recht vor, die ganze Sache mit oder ohne Angabe von Gründen zu verändern oder abzubrechen, sollten irgendwelche Schwierigkeiten auftreten (wovon ich allerdings nicht ausgehe).

Ich freue mich auf eure Teilnahme. Und wünsche allen schon einmal viel Glück.

Christian Biesenbach







 

Mittwoch, 18. März 2015

Neuer Buchtitel: Aus "Aus dem hundsgewöhnlichen Leben des Thomas E." wird "Das hundsgewöhnliche Leben" + Verschenkaktion

Hallo Zusammen,

da ich ja doch mittlerweile einige Blog-Follower habe, möchte ich Euch gerne mitteilen, dass ich jüngst eine Titeländerung an meinem letzten Werk vorgenommen habe.
Aus dem Titel "Aus dem hundsgewöhnlichen Leben des Thomas E.- Eine nicht ganz unkomplizierte Reise" ist nach reiflicher Überlegung "Das hundsgewöhnliche Leben" geworden. Ich finde, der Titel ist wesentlich griffiger und außerdem passt er viel besser auf das ebenfalls neue Cover. :-)
Aus diesem freudigen Anlass heraus verschenke ich diese leicht veränderte Version der Geschichte seit Heute bis voraussichtlich am Samstag. Wer also Lust auf ein kostenloses E-Book hat, der kann beherzt zugreifen.
Nach dem Lesen wäre ich natürlich wie immer sehr dankbar für Euer Feedback bzw Eure Rezensionen.
Unter folgendem Link gelangt Ihr direkt auf die Produktseite bei Amazon.de:
http://www.amazon.de/Das-hundsgew%C3%B6hnliche-LEBEN-Christian-Biesenbach-ebook/dp/B00UTD3WK8/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1426717212&sr=8-1&keywords=das+hundsgew%C3%B6hnliche+leben



Ich finde es übrigens toll, dass hier noch immer und regelmäßig Leute hereinschauen. Ich möchte mich deshalb für meine bereits länger andauernde Untätigkeit auf diesem Blog entschuldigen.

Ansonsten liebe Grüße
und bis die Tage

Christian

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Aus dem hundsgewöhnlichen Leben des Thomas E." erscheint am 12 September. Leseprobe ab sofort exklusiv hier.

Hallo Zusammen,

am 12.Dezember, und damit nur noch zwei Tage entfernt, erscheint mein neues Buch "Aus dem hundsgewöhnlichen Leben des Thomas E."
Ich habe diesmal die vertrauten Krimi/Thriller/Horror-Gefilde verlassen, um etwas ganz anderes zu schreiben. Ein weiteres Experiment, wenn man so will. Ob mir auch ohne Mord und Totschlag eine gelungene Erzählung geglückt ist, davon könnt Ihr euch ab Freitag selbst überzeugen.

Exklusiv und vorab gibt es hier für Euch die ersten drei Kapitel zum Probelesen.
Ich wünsche viel Spaß damit und hoffe, es gefällt.

Bis die Tage

Christian

Leseprobe: http://www.file-upload.net/download-9978458/Leseprobe_tomE.pdf.html (PDF)


Jeder Schritt trägt einen fort und bringt einen weiter in eine unbekannte Zukunft. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen oder einfach wieder zurücklaufen. Denn das Vergangene ist nicht mehr. Es bleiben nur Erinnerungen, mittelalterlichen Ruinen gleich, die langsam im Strudel des Lebensflusses zerfallen. Deshalb schau nicht länger zurück. Geh Schritt für Schritt deinem neuen Leben entgegen.

 

Unbekannter Verfasser (Quelle: Internet)

 

 

 

Als ich den Punkt erreicht hatte, an dem ich diese Tatsache endlich begriffen hatte, ließ ich mich schwer atmend auf den Küchenboden sinken und versuchte, mir darüber klar zu werden, was das für mich bedeutete. Das Laminat meines Appartements fühlte sich kühl und glatt unter meinen Fingern an, während ich so da saß und langsam anfing zu akzeptieren, dass ich die Vergangenheit nicht verändern konnte. Alle Mühen der letzten Wochen waren vergebens geblieben. Ich konnte nichts mehr rückgängig machen. Meine Beziehung war nach rund sechs Jahren zu Bruch gegangen, die Liebe meines Lebens fort, mein Studium befand sich in einem Zustand, den man nur schwer als „nicht gescheitert“ verkaufen konnte. Mein Leben war ein Chaos, eine Ansammlung von Scheiße. Scheiße, in der ich zu ertrinken drohte.

Ich wage übrigens zu bezweifeln, dass ich an diesem trügerisch sonnigen Morgen im März eine große Ausnahme zum Rest der Menschheit darstellte. Ich behaupte, beinahe jeder gerät früher oder später einmal in diese Art einer emotionalen Krise. Für mich war es, während ich nutzlos mit den Handflächen über den Fußboden strich und ins Nichts starrte, einer jener Momente, die nur existieren, um einen glauben zu machen, dass es keinen Ausweg mehr gibt, dass das Leben jeden Sinn verloren hat und das man allein im Dunkeln hockt, während man jede Hoffnung auf ein bisschen Licht begraben hat.

Ich beglückwünsche an dieser Stelle ausdrücklich all die glücklichen Bastarde, die sich bisher nie in einem der gefühlsbestimmten Jauchegrubenlöcher des Lebens wiedergefunden haben. Mein einfacher Ratschlag dazu lautet: Tut alles dafür, damit es so bleibt. Denn alles, was einem in jenen Augenblicken bleibt, ist, zu akzeptieren, dass das Vergangene unweigerlich vorbei ist und das Neue darauf wartet, erlebt zu werden.

Nur, wie erkennt man das? Wo fängt man an und wie geht man dabei vor?

Es gab und gibt keine Anleitung für einen solchen Fall und ich werde mich davor hüten, zu behaupten, ich hätte einen Königsweg aus dem Schlamassel gefunden. Dem war nämlich ganz und gar nicht so.

Die Geister meiner Vergangenheit wehrten sich in diesen Minuten noch immer (nach so langer Zeit) heftig dagegen, dass man sie wie alte Fotografien in eine Kiste zu stecken versuchte. Sie sträubten sich ganz und gar gegen die Tatsache, dass ich sie überdauern würde; früher oder später. Das versuchte ich mir zumindest in diesem Augenblick einzureden.

Und so raffte ich mich nach einer Weile wieder auf, stützte mich auf die Küchenablage und atmete tief durch, ehe ich die Augen schloss und die Bilder vor meinem inneren Auge von Neuem begannen, auf mich einzuprasseln.

Anfangs wirkten sie verzerrt und unwirklich, gewannen aber rasch an Schärfe und ich konnte bald den Ort, an dem die Ereignisse ihren Anfang gefunden hatten, deutlich vor mir sehen. Es war, als sei es erst gestern gewesen. Ich erkannte all das Glück, die Freude, die warmherzigen und einzigartigen Momente vor mir, die ich mit meiner Ex-Freundin erlebt hatte ... Ex-Freundin, der Begriff hörte sich für mich weiterhin schräg an. Gleichwohl war Jenny mittlerweile genau das: eine Freundin, meine Freundin, die es nun nicht mehr war und die sich fortan, so wurde es mir zumindest zugetragen, von jenem Klempner flachlegen ließ, der ihr kurz nach unserer Trennung den Duschablauf ihrer neuen Wohnung repariert hatte. Viel klischeebehafteter hätte diese letzte Ohrfeige meines vergangenen Lebens vermutlich nicht sein können. Und jetzt endgültig genug davon!

Die Gedanken daran verärgerten mich aufs Neue. Ich war gerade eben in der Küche meiner Wohnung zusammengebrochen und hatte mich nur mühsam mit dem wiederholten Vorsatz erhoben, das alles hinter mir zu lassen. Und es war keine Sekunde vergangen, da steckte mein Kopf bereits erneut mitten in der Vergangenheit, mitten in meinem von Kram zerfressenen alten Ich, das ich so dringend loswerden musste.

Es war eine ungesunde Gefühlsmischung aus Trauer und Wut, die in mir kochte und mir die Tränen in die Augen trieb, während ich hilflos und mit geballten Fäusten auf die Anrichte einschlug, bis die Knöchel rot waren und zu sehr schmerzten, um damit fortzufahren.

„Sechs Jahre, sechs verdammte Jahre, in denen ich alles für unsere Liebe geopfert habe“, sagte ich laut zu niemandem. „Ich habe alles gegeben. In meinem Inneren habe ich gewusst, dass sie dir Richtige ist. Umsonst, alles umsonst.“

Die Sätze waren nicht neu. Ich hatte sie in den vergangenen Wochen so häufig gesagt, dass ich nicht mehr zählen konnte, wie oft sie über meine Lippen kamen.

Ja, es war so, dachte ich, aber das macht es jetzt nicht besser. Du musst wieder klarkommen. Du musst dein Leben in den Griff bekommen. Kneif die Arschbacken zusammen und bring alles wieder auf die Reihe.

„Alles auf die Reihe bringen?“

Ich lachte, empfand aber keine Freude dabei, denn ich musste mich einfach umgucken, um zu erkennen, wie unerfüllbar das sein würde.

Mein Geist hatte sich gehen lassen, und weil das alleine keinen Spaß machte, hatte er meinen Körper direkt ebenso dazu angestiftet. Das hatte zwar genauso keinen Spaß gemacht, aber wenigstens rottete mein Hirn in trautem Einklang mit dem Rest meines Kadavers dahin.

Das Appartement glich einer Deponiehalle. Überall lag Müll. Verpackungen, Eisbecher, Pizzakartons, Plastikbesteck, Rotzfahnen. Mein Telefon war begraben unter einem Berg aus Bierdeckeln und Kronkorken. Pfandflaschen, wohin das Auge blickte. Ich hatte es nicht einmal mehr fertiggebracht, benutztes Geschirr abzuspülen, sodass sich Teller mit Speiseresten rundum verteilten. Einige davon hätten bei diversen Kunstausstellungen zweifelsohne für Aufmerksamkeit im Bereich moderne oder abstrakte Kunst gesorgt. Es fehlten lediglich einige prägnante Bezeichnungen: Depression 3.0 - Dritte Woche, Brokenheartdishes oder Herzschmerzspeiserest - ein Klecks Senf auf grasgrünem Teller mit Spuren von Ketchup.

Vermutlich roch es abscheulich hier drin. Nein … Ich musste nicht länger darüber nachdenken, um eine Bestätigung zu finden, dass es so war. Es stank. Die Fenster waren lange nicht geöffnet worden, die Haustür nur, wenn ich mich nach draußen in die Welt stürzen musste, um dem schleichenden Hungertod zu entgehen. Eingelassen hatte ich niemanden, seit ich allein wohnte. Besorgte Anrufe beantwortete ich in einer Mischung aus gespieltem Trotz und aufgesetzter Jetzt-erst-recht-Mentalität. Die ständigen Nachfragen: „Geht es dir auch wirklich gut?“, verrieten, dass ich nicht sehr gut schauspielern konnte. Und wenn schon. Irgendwann unterließ ich es, ans Telefon zu gehen. Stattdessen schrieb ich jeden dritten Tag SMS an diverse Familienmitglieder, in denen ich beteuerte, dass mit mir alles in Ordnung sei, und dass ich einfach etwas Zeit brauchte, um mich zu finden. Alles gelogen.

Ich hatte mich ausgeklinkt. Das Leben ging weiter, aber ich ging nicht mit.

 

Zunächst schien dies vieles einfacher zu machen. Es war naheliegend, sich allem zu verweigern und die Augen vor den Dingen zu verschließen, die auf einem lasteten. Schon bald jedoch hatte ich erkennen müssen, dass dem nicht so war.

Meine Probleme wurden größer und ließen sich bald nicht mehr ausblenden. Das nächste Semester meines Studiums brach an, wurde länger und ging zu Ende, ohne dass ich ein einziges Mal auf dem Gelände der Universität aufgetaucht war. Geldsorgen hatte ich seit jeher, doch nachdem die Gläubiger meines Studiendarlehens Nachweise für meinen Studienfortschritt verlangt und diese (schlichtweg aufgrund des nicht vorhandenen Fortschritts) nicht erhalten hatten, vergrößerten sie sich noch einmal erheblich. Freunde boten mir Hilfe an. Ich lehnte jede ab. Schleichend verwandelte ich mich in ein Wrack. Ich wurde zu einem Schatten meiner selbst. Wäre mir meine Mutter auf der Straße über den Weg gelaufen, sie hätte mich in diesen Tagen sicher nicht erkannt. Und ich, ich tat nichts dagegen.

Wenn irgendwann einmal eine Geschichte über mich erzählt werden wird, so beginnt sie vermutlich – nein, sie beginnt sogar ganz sicher mit den Worten: Tom Eckert vegetierte vor sich hin und wäre eher heute als morgen in seiner eigenen Scheiße erstickt.

 

Und so war es auch. Ich meine, es wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit exakt so passiert. Dass es nicht dazu kam, verdankte ich meiner Vermieterin, Hannelore Dimmer.

Dabei fällt mir gerade ein, dass ich mich nie bei ihr bedankt habe. Wobei ich bis heute nicht weiß, ob sie sich mehr Sorgen um mich oder um die Wohnung gemacht hatte, in der ich monatelang wie ein Höhlenmensch gehaust hatte.

Jedenfalls war sie es, an ebendiesem Märzmorgen, an dem die Sonne so verflucht grell durchs Küchenfenster hineinschien und mir einen tollen Tag vorjubelte, die ohne jede Vorwarnung, ganz plötzlich und mit ungeahnter Vehemenz gegen meine Wohnungstür zu trommeln begann. Das geschah just, nachdem ich mich von meinem jüngsten Zusammenbruch erholt und mir die Tränen aus dem Gesicht getrocknet hatte.

Ich hörte sie hinter der Tür einige schnelle Sätze in der ihr eigenen hysterisch unmelodischen Stimme sagen, die mich ständig an Fingernägel erinnerte, die über eine Schiefertafel kratzten. Eine Stimme, die einem die Gänsehaut in den Nacken trieb. Auch heute war das nicht anders. Und das, obwohl man durch das massive Holz kein Wort hatte verstehen können.

Ich vermutete, dass sie Einlass begehrte, was ich jedoch allein am eindringlichen Türklopfen festmachte.

Weil ich lediglich eine Jogginghose trug, ungewaschen, -gekämmt sowie -rasiert war, zog ich es vor, nicht zu öffnen. Was immer Frau Dimmer wollte, es würde sicher Zeit haben.

Zumindest ein T-Shirt, sofern ich eines in meinem Schrank fände, wollte ich überziehen. Wenn man meinen Anblick schon ertragen musste, dann wenigstens in mindestens zwei Kleidungsstücke gehüllt. Selbst danach wäre ungewiss gewesen, ob ich geöffnet hätte. Ich wollte darüber nachdenken und eine Entscheidung treffen, sobald ich angezogen war.

Meine Vermieterin gab mir nicht einmal die wenigen Sekunden, mir den übrigen Rotz des vorangegangenen Heulkrampfs restlos aus dem Bart zu wischen, bevor etwas im Schloss knackte dann quietschte und die Wohnungstür daraufhin mit einem Schwung nach innen schnellte.

 

Frau Dimmer, eine dünne, groß gewachsene Frau in den späten Fünfzigern mit blondierten Haaren , spitzer Nase, mit Botox vollgepumpter Stirn und dünnem Mund. Gekleidet in einen schwarzen Zweireiher und braune hochhackige Schuhe. Zwischen Fingern, deren rot lackierte Nägel halb so lang waren wie ihre Daumen, trug sie ein nobel aussehendes Handtäschchen. Mit ihren Krallen hätte die Frau jeder Großkatze des Erdballs Konkurrenz gemacht und es vermutlich sogar mit einem Grizzlybären aufgenommen, wenn es darauf angekommen wäre. Und ich bin mir außerdem sicher, dass (bei der Miene, die Sie aufsetzte, nachdem ihre Augen einmal erfasst hatten, was hinter der Tür auf sie wartete) selbst ein Elefant den Schwanz eingekniffen und den Rüssel eingerollt hätte.

 

Als sie so dastand, für den Bruchteil einer Sekunde sprach- wie regungslos, schien es gleich mehrere Grad kühler in meiner Behausung zu werden. Ob es der plötzliche Durchzug war oder mehr, ich vermag es nicht mit letzter Gewissheit zu sagen. Wobei es, aufgrund der nicht geöffneten Fenster (objektiv betrachtet), Ersteres nicht gewesen sein kann. Es spielte keine Rolle. Genauso wenig, dass ich ein gänzlich anderes Bild von Hannelore D. in Erinnerung hatte. Wobei sich dieses auf den Tag bezog, an dem meine Ex-Freundin und ich den Mietvertrag unterzeichneten und die Schlüssel von ihr entgegennahmen. Sie schien mir damals wesentlich sympathischer gewesen zu sein als an diesem Morgen, aber es war gut möglich, dass das einfach der Situation geschuldet war.

„Um Gottes willen“, hörte ich sie hervorbringen und beobachtete aus der Küche heraus, wie sie ungläubig dreinblickend und naserümpfend zwei Schritte in den Wohnbereich machte.

„Schrecklich ... Oh weh … Einfach … unbeschreiblich …Was stinkt denn hier so? … Puh …“

Unentschlossen trat ich vor, obwohl ich ein abscheuliches Bild abgab.

Wie die Wohnung so der Mieter, dachte ich in einem Anflug von Selbstironie und schämte mich zur gleichen Zeit in Grund und Boden.

„Frau Dimmer“, waren meine einzigen Worte, als ich zu ihr trat. Es sollte fragend, verwirrt, vielleicht schuldbewusst klingen, aber ich schien sie erschreckt zu haben. Hannelore zuckte sichtlich zusammen, als sie mich bemerkte, und machte einen schnellen Schritt zurück, wie es die meisten Frauen zu tun pflegen, wenn sie unvorbereitet eine Spinne oder ein ekliges Insekt im Raum entdecken.

„Herr Eckert. Das ist … Das ist … Was ist hier … ?“

Sie rang um Fassung, wusste offenbar nicht, wo sie anfangen sollte. Viele Worte waren jedoch kaum nötig. Ich konnte sie auch so verstehen.

Die kleine Wohnung war ein Schmuckstück gewesen, als wir sie übernommen hatten. Hell, mit hochwertigem Laminat, cremefarben gestrichenen Wänden, blitzsauberen Fenstern und keinem Staubkorn in keiner Ecke, ausnahmslos. Der Anblick von Müll, dreckigem Geschirr und ungewaschener Wäsche überall musste für sie wie ein Schlag mit dem Hammer gegen die Brust sein oder wie eine schallende Ohrfeige oder wie beides zugleich.

Es dauerte, bis sie sich zu einem klaren Satz durchringen konnte.

„Unerhört, wie es hier aussieht, Herr Eckert.“

„Ja, unerhört“, bestätigte ich kleinlaut.

„Das ist … Das ist nicht tragbar.“

Auch das war mir klar. Sie drehte sich im Kreis, hob die Arme und ließ sie mit einem undefinierbar traurigen Ton auf den Lippen sinken, sodass die Handtasche wild in zwischen den Fingern schwang.

„Darf ich fragen, was mir die Ehre verleiht?“, fragte ich, um etwas zu sagen. Sie schaute mich an und ich fühlte mich dabei tatsächlich wie ein ekliges Insekt, das gerade aus einem Misthaufen gekrabbelt war.

„Ich erhielt einen Anruf.“ Mehr Information war ihr nicht zu entlocken. „Zu Recht, wie ich zu meinem Erschrecken eingestehen muss. Wo ist Frau Meier?“

„Ausgezogen. Vor sechs Monaten“, war meine Antwort. Als ob das alles erklären würde. Nun ja, im Kern tat es das. Das Problem dabei war, dass Hannelore Dimmer die Zusammenhänge nicht kannte, und ich ihr genauso gut hätte berichten können, dass Jenny Meier sich in ein Schnitzel verwandelt hatte und aus dem Fenster gesprungen war.

„Ich verstehe nicht“

„Ich auch nicht.“ Mit den Achseln zuckend ließ ich mich auf den letzten freien Flecken des weißen „Ektorp“ Ikea-Sofas sinken, das meine Ex und ich gemeinsam ausgesucht und gekauft hatten.

„Das ist … Das ist nicht tragbar“, wiederholte meine Vermieterin und wedelte wild mit dem Zeigefinger vor meinem Gesicht herum. „Das alles hier … Das alles wird Konsequenzen haben.“

Sie wartete nicht auf eine Erwiderung. Stattdessen drehte sie sich um und marschierte zur Tür hinaus. Ich wusste, was das für mich hieß und machte mir nicht die Mühe, hinterherzurennen, um ihr ins Gewissen zu reden. Ich glaube, mir war an diesem Morgen selbst am meisten bewusst, dass es keine Alternative gab. Andernfalls wäre ich mit Sicherheit krepiert. Vielleicht hätte ich mir am selben Tag einen Strick besorgt. Wer kann mit Sicherheit sagen, was ein Mensch tut, wenn er keinen Sinn mehr in seinem Leben erkennt. Wie gesagt, ich habe mich nie bei Hannelore Botoxgesicht Dimmer bedankt und ich weiß heute noch nicht, wer sie angerufen hat und weshalb sie einen zweiten Schlüssel zu meiner Wohnung besaß. Vieles bleibt eben immer ein großes Rätsel, eigentlich der Hauptteil unseres Lebens. Das gehört vermutlich einfach dazu, andernfalls wäre es langweilig und vorhersehbar. Und wer will das schon?

 

 

Kapitel 2


 

 

Ich gebe zu, ich war nicht einmal traurig, dass Hannelore mich rausschmiss. Ich hasste diese Stadt. Ich hasste diese Wohnung. Ich hasste die Gründe, die mich hergebracht hatten. All das war unweigerlich mit Jenny verknüpft. Jenny hier, Jenny da, Jenny überall. Sie war wie ein böser Dämon, der mein Leben zerstörte. Dabei war sie nicht einmal anwesend. Ich hatte seit nach ihrem Auszug kaum mehr ein Wort mit ihr gewechselt und sie außerdem nicht wieder zu Gesicht bekommen. Es war so, als sei sie vom Antlitz der Welt verschwunden und trotzdem plagte sie mich auch nach diesem Tag noch. Selbst heute geistert sie manchmal durch meine Träume, sodass ich verwirrt aufwache und mit einem seltsamen Gefühl in der linken Brust in den neuen Tag starte. Schön ist das nicht, aber darum soll es hier ohnehin nicht gehen.

 

Es dauerte insgesamt drei Tage bis Hannelore Dimmer alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte. Woher sie die Telefonnummer und Adresse meiner Eltern hatte, verschwieg sie. Viele Worte wechselten wir ohnehin nicht mehr. Lediglich die Aufforderung, die sofortige Beendigung des Mietvertrages wegen außergewöhnlicher Umstände zu unterzeichnen und folgende Sätze hörte ich noch von ihr: „Spätestens übermorgen sind Sie hier raus. Ich bezweifle stark, dass Sie ihre Kaution wiedersehen werden. Die Wohnung ist in einem enorm schwachen Zustand. Ich bin sehr enttäuscht, Herr Eckert, sehr enttäuscht.“

Kurz nachdem Hannelore gegangen war kamen meine Eltern. Sie hatten einen Sprinter angemietet, Wäschekörbe, Umzugskartons, Müllsäcke und Putzmittel dabei. Ich konnte ihre Blicke kaum ertragen. Obwohl sie nichts sagten und mir keinen Vorwurf machten, war doch klar, dass ich eine Schande für sie war. Ein 24-jähriger mit Abitur, der sein Studium und eigentlich sein ganzes Leben gegen die Wand gefahren hatte, weil seine Beziehung zerbrochen war und der nun (in Ermangelung an Alternativen) zurück ins Nest gekrochen kam.

Ich möchte dazu sagen, dass ich das nicht wollte. Meine Habseligkeiten wurden ungefragt in den Transporter geladen. Stück für Stück wurde die Wohnung ausgeräumt, von meinen Eltern und meinen Geschwistern, die nach Feierabend vorbeikamen, um mit anzupacken. Ich stand die meiste Zeit daneben, umklammerte paralysiert einen Strauß Trockenblumen, den ich von einer Fensterbank gerettet hatte, und bemerkte, wie ich mich mit jedem über die Türschwelle getragenen Karton mehr und mehr aufzulösen schien. Als mein Bruder und mein Vater zuletzt das Sofa hinaustrugen, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Meine Mutter tröstete mich, so wie sie konnte, bevor sie sich wieder daran begab, meinen Müll zu beseitigen.

Nein, ich wollte nicht zurück und war mir zur gleichen Zeit nicht darüber im Klaren, was ich überhaupt wollte.

Der Sprinter rollte zweimal vom Hof. Mir war nie klar gewesen, wie viele Dinge ich besaß und es war mir in diesen Stunden gleichwohl vollkommen egal. Von mir aus hätte man alles auf einen Haufen legen und verbrennen können, das wäre nicht derart viel Arbeit gewesen und hätte mir ein weniger schlechtes Gewissen gemacht, als jede einzelne Schweißperle, die die Umzugsarbeit meiner Familie abverlangte.

 

Es war weit nach Anbruch der Dunkelheit, als meine Mutter den letzten Eimer Schmutzwasser in die Toilette goss und hinunterspülte. Danach war es allein an mir, überall das Licht auszuschalten und die Wohnungstür hinter mir zuzuziehen. Mein Vater klopfte mir aufmunternd auf die Schulter, bevor er das Appartement verließ. Mutter strich mir mit den vom Putzen angegriffenen Fingern durch die Haare, ehe sie ging. Ich selbst blieb lange und mit hängenden Schultern im Wohnbereich stehen, weiterhin den alten lilafarbenen Strauß Trockenblumen in Händen, und kämpfte gegen die Gefühle an, die mich zum wiederholten Male zu überwältigen drohten.

„Versager“, flüsterte eine Stimme hinter meiner Stirn. „Elender Versager.“

Eine Träne, dann eine weitere und dann folgte ein ganzer Strom, der stumm an meinen Wangen herablief.

Männer weinen nicht, versuchte ich mir einzureden.

Es half nicht. Die Situation war einfach zu viel für mich. Jemand anderes hätte an meiner Stelle vielleicht anders reagiert, gefasster, männlicher, aber ich war dazu nicht in der Lage. Man ist nun einmal, was man ist. Meine Wenigkeit war in diesen Tagen ein Häufchen Elend.

„Kommst du endlich?“, hörte ich meinen Bruder hinter mir fragen. Als ich mich umdrehte und er bemerkte, wie es mir ging, schob er schnell: „Oh, ich sehe schon. Kein Problem“, hinterher. „Wenn du Zeit brauchst, wir können noch ein bisschen warten.“

„Nein“, flüsterte ich und schüttelte mit Nachdruck den Kopf. „Ich bin hiermit fertig.“ Meine Hände machten eine vage Andeutung, was ich damit meinte, ehe sie den Blumenstrauß in den neben der Tür stehenden Mülleimer beförderten...

Dann folgte ich ihm nach draußen, bevor ich ein letztes Mal umdrehen musste, um das Licht in der Wohnung zu löschen und die Tür zu verschließen.

Den Schlüssel (in einem Umschlag verpackt) warf mein Vater letzten Endes in Frau Dimmers Briefkasten. Ihre Wohnung befand sich im Erdgeschoss, aber sie war nicht zu Hause oder wollte partout die Tür nicht öffnen.

Danach fuhr der Sprinter mit mir an Bord zum letzten Mal vom Hof. Aber das war nur dieser Teil der Geschichte.

 

Kapitel 3


 

 

Drei Wochen waren seit meinem unerwarteten Auszug vergangen und noch immer fühlte es sich seltsam an, wieder im eigenen Kinderzimmer zu leben, umgeben von nicht ausgepackten Kartons. Ich sah keinen Sinn darin, meinen Kram in Schränke und Regale zu räumen. Irgendwann würde ich ohnehin alles wieder hier hinaustragen.

Die Tage vergingen langsam, langsamer als in meiner Wohnung. Es gab keine Erklärung, weshalb das so war und doch war ich sicher, dass es nicht anders sein konnte. Vermutlich spielte es eine gewisse Rolle, dass ich mich nicht länger um meine Ernährung kümmern musste. Der Kühlschrank war immer gefüllt. Ganz gleich, ob es darum ging, einen Snack abzugreifen oder ein ganzes Frühstück zu sich zu nehmen. Ich bekam jeden Tag ein Mittagessen. Wenn ich nicht ins Esszimmer kam, wurde es beiseite gestellt oder auf mein Zimmer gebracht. Mehrmals bat ich meine Mutter darum, nicht für mich zu kochen. Sie ließ es sich nicht ausreden.

„Es ist lange her, dass ich für eines meiner Kinder gekocht habe und auf Enkelkinder warte ich bisher vergebens. Also lass mich doch einfach machen“, war stets die Antwort. Ich konnte es ihr kaum verübeln.

Meine Eltern hatten insgesamt vier Kinder in die Welt gesetzt. Meinen großen Bruder Mike, meine zwei Jahre ältere Schwester Susanne und meine kleine Schwester Marie. Marie war erst im Laufe des letzten Jahres ausgezogen, um in Köln irgendwas mit Sport und Pädagogik zu studieren und so war im Haus meiner Eltern zum ersten Mal nach dreißig Jahren außer den beiden niemand mehr gewesen. Für meine Mutter, die halbtags arbeiten ging, eine Situation, die sie, und daraus hatte sie keinen Hehl gemacht, unausgefüllt zurückgelassen hatte. Wie oft hatte sie nach Maries Auszug davon gesprochen, dass es Zeit wurde, dass jemand von uns ein paar Kinder in die Welt setzte.

Noch vor zwölf Monaten, obwohl es damals schon längst zwischen Jenny und mir kriselte, hätte ich ihr diesen Gefallen zu gerne getan. Reines Glück, dass es nicht so gekommen ist. (Die armen Kinder oder vielleicht auch nicht. Möglich, dass alles anders gelaufen wäre. Unmöglich zu sagen, was tatsächlich geschehen wäre.)

 

Mein Vater kam mit meiner Anwesenheit ebenfalls besser zurecht, als ich ursprünglich angenommen hatte. Oftmals saßen wir abends, nachdem er von der Arbeit gekommen war und gegessen hatte, bei einem Bier zusammen und unterhielten uns über dies und jenes. Manchmal gesellte sich Mutter dazu. Wir redeten und redeten, bis es Zeit wurde, zu Bett zu gehen. Ein Thema vermieden die beiden dabei penibel. Keiner stellte je eine Frage zu meinen Zukunftsplänen.

Einerseits erleichterte mich das, weil mir bewusst war, dass sie mich nicht damit belasten wollten, andererseits wurde mir flau im Magen bei dem Gedanken daran, dass ich ihnen nicht darauf antworten konnte, wenn sie es irgendwann doch einmal täten. Denn immer wenn ich mit offenen Augen im Dunkeln meines Kinderzimmers lag, tauchte zwangsläufig irgendwann ebendiese Frage auf. Zwar versteckte sie sich geschickt zwischen Erinnerungen an Jenny und sinnlosen Überlegungen, die sich daran orientierten, wie ich sie zurückgewinnen konnte, und doch kam sie mir beständig in den Sinn, wenn ich von allem übrigen Nachdenken bereits erschöpft war. Und es spielte keine Rolle, wie müde ich zu diesem Zeitpunkt auch immer war. Sie hinderte mich ständig am Schlafen. Es gab in diesen Tagen keine Nacht, in der ich vor drei Uhr am Morgen die Augen schloss.

Am bittersten (neben der permanenten Übermüdung) war dabei die Tatsache, dass ich keine Antwort fand. Ich drehte mich ständig im Kreis.

Ein Teil von mir versuchte, mich davon zu überzeugen, an die Uni zurückzukehren und mein brachliegendes Studium weiterzuführen. Ein anderer schlug vor, einen Ausbildungsplatz zu suchen, da ich für das freie Studieren eben offensichtlich nicht geeignet war. Es gab nun einmal Menschen, denen lag das eigenverantwortliche Planen und Durchführen eines Studiums mehr als anderen. Unbeantwortet blieb dabei regelmäßig, welche Ausbildung ich anstreben wollte. Ein dritter Teil hatte die banale Vorstellung, irgendwohin auszuwandern, bevorzugt nach Jamaika oder Kuba, um mich dort als Cocktailmixer durchzuschlagen.

Ich war ein ganz passabler Bartender und hatte hin und wieder in den Semesterferien in Cocktailbars in der Umgebung ausgeholfen. Dies jedoch zu seinem Hauptberuf zu machen und davon leben zu wollen, das war eine ganz andere Sache. Zumal der Idee einer Cocktailbar am Strand von Jamaika zwar irgendwie ein romantisch verklärter Kitsch anhing, sie nüchtern betrachtet allerdings kaum zum gewünschten Ergebnis geführt hätte. Das konnte alles nicht dermaßen einfach und erfolgsgarantiert sein, andernfalls gäbe es an den weißen Stränden der Südsee wohl ausschließlich Cocktailmixer, die sich mit ihren zusammengezimmerten Strandbars dichter drängten als die dortigen Palmen.

Manchmal kamen mir mitten in der Nacht die wildesten Ideen und mit ihnen der Elan, sie sofort in die Tat umzusetzen, was nach dem Abklingen des damit einhergehenden Endorphinschubs jedoch regelmäßig und schnell in Katerstimmung umschlug. Die Erkenntnis war regelmäßig, dass das alles nicht so umsetzbar war, wie ich mir das just in diesen Sekunden vorstellte. Einige Schnapsideen waren (bei genauerer Betrachtung) gar nicht erst machbar. Kurzum: Es war letztendlich nie ein Einfall dabei, hinter dem ich zu einhundert Prozent gestanden hätte. Und genau das musste ich meinen Eltern eingestehen, als sie schließlich doch fragten.

 

Samstag, 25. Oktober 2014

Kostenlose E-Books für den Herbst!

Hallo,
ich bin nun schon wieder einige Tage zurück, schreibe fleißig an einigen Dingen und hoffe, dass ich damit bis Dezember fertig bin. Unterdessen hat sich die Erstveröffentlichung von "Sonne, Wind und Mord" wieder einmal gejährt und damit auch der Beginn meiner schriftstellerischen "Karriere" 
 Und weil man so was feiern sollte, verschenke ich "Die Möwennest-Reihe" und ab heute bis 29.10. die "Sonne-Trilogie" mit allen bisher erschienen Kees Bloemberg-Krimis.

http://www.amazon.de/Sonne-Trilogie-KB-Thriller-Krimis-E-Book-ebook/dp/B00M21Y8GM

Wer schnell ist, kann sich also einen Großteil dessen, was ich in den letzten vier Jahren geschrieben habe sichern und zahlt dafür keinen Cent!

Leute ohne Kindle oder Anschluss an den Amazonshop können sich auch gerne bei mir melden und ich schaue, ob ich irgendwie ein E-Pub aus der ganzen Sache machen kann.
Über Rezensionen auf Amazon und auch hier freue ich mich natürlich, ganz egal wie euer Urteil ausfallen mag.

Viele liebe Grüße

Christian Biesenbach

 

Donnerstag, 25. September 2014

Sonne-Trilogie fünf Tage lang geschenkt!

Der Herbst steht vor der Tür. Da liegt es nahe, sich mal wieder daheim hinzusetzen und zu lesen. Aber was tun, wenn einem der Lesestoff ausgeht?
Meine Antwort darauf in den kommenden Tagen ist ein ganz besonderes E-Book-Geschenk.
Bis zum 30.09. biete ich auf Amazon meine Krimi-Trilogie um den Rotterdamer Inspecteur Kees Bloemberg kostenlos an. Das heißt, wer jetzt zugreift, der spart sich satte 4,99 €.
Hier der Link zur Produktseite.
http://www.amazon.de/Sonne-Trilogie-KB-Thriller-Krimis-einem-E-Book-ebook/dp/B00M21Y8GM/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1411637749&sr=1-3&keywords=christian+biesenbach

Wer keinen E-book-Reader besitzt, kann sich einfach und kostenlos die Amazon-Leseapp für PC, Tablet oder Smartphone herunterladen.

Rezensionen und Weiterempfehlungen sind natürlich wie immer sehr Willkommen.

Bis die Tage

Christian